Spende für den Wiederaufbau in den Philippinen – Erfahrungsbericht eines Mitglieds

von Jennifer Gründler

Anfang November 2013 ist der Super Taifun Yolanda u.a. über die Philippinen gezogen und hat eine tiefe Schneise der Verwüstung hinterlassen. San Isidro ist ein kleines Fischerdorf auf der Insel Panay und wurde vom Taifun zu 90% zerstört. Das Hauptnahrungsmittel auf den Philippinen ist Reis und auch die Ernte wurde komplett zerstört. Auf der Nachbarinsel Boracay haben sich ein Kanadier, Claus Bauer, Leiter der International und European School, und ein paar Europäer zusammengetan, um der Bevölkerung dort zu helfen. Bereits kurz nach dem Taifun waren sie vor Ort und haben zuerst Wasser, Essen, Planen gebracht sowie die Menschen medizinisch versorgt. Dafür waren vom Roten Kreuz Boracay  Mitarbeiter mitgekommen. Beim 2. Besuch gab es neben Essen Reissamen, Fischernetze, Baumaterial, Nägel etc., um die Selbstversorgung wieder herzustellen. Mit dem Geld, das inzwischen gesammelt wurde, soll die Schule wiederhergestellt werden. Hier sind 2 Klassenzimmer noch intakt, da diese mit Stein gebaut sind, die 2 weiteren Klassenzimmer aus Rattan und Naturmaterial sind jedoch komplett verwüstet worden. Außerdem fehlen Tische, Stühle, Schulbücher, Papier, Stifte etc. Die Kosten betragen rund 750.000 Peso = 12.000 Euro, davon sind 2.000€ von dem Lions Club Weil am Rhein gespendet worden!! An der Schule sind rund 90 Kinder, vom Kindergartenkind bis zur 3. Klasse.

Am 12. Dezember hat sich Claus Bauer mit Architekten und dem „Ortsvorsteher“ von San Isidro getroffen, um den Bau der Schule detailliert zu besprechen. Zu diesem Treffen bin ich mitgekommen. Es ging früh los, zuerst mit dem Bike an den Hafen, dann nach Caticlan übergesetzt und von dort aus ging es mit 3 Van’s weiter. Letztere hat Claus Bauer selbst bezahlt. Die Fahrt nach San Isidro dauerte rund 2 Stunden. Die Auswirkungen des Taifuns waren überall zu sehen. Als wir von der Hauptstraße nach San Isidro abgebogen sind, waren wir auf einem Schotter bzw. Naturweg unterwegs, der den Fahrern einiges abverlangte. Hütten, die am Weg waren, waren komplett zerstört, über einigen waren die verteilten Planen gespannt. Unter den Trümmern lebten die Menschen, wie wenn nichts passiert wäre. Wäsche hing auf Leinen über umgefallenen Palmen.

Bei unserer Ankunft wurden wir bereits von den Kindern und Lehrerinnen sowie dem Ortsvorsteher erwartet und freudig begrüßt. Im Schulhof waren die Kinder aufgereiht nach Größe. Das Lachen und die Freude der Kinder und Lehrerinnen war für mich bewundernswert. Sie haben alles verloren und waren quasi mit nichts oder zumindest wenig zufrieden und glücklich und dankbar für jede Kleinigkeit. Nach einem kurzen Programm mit den Kindern haben wir Thunfischsandwiches bestrichen. Dann wurde jedem Kind ein Sandwich, 1 Getränk, 2 Mandarinen, Cracker und Schokolade verteilt. Die Klassenlehrerinnen bekamen für ihre Schüler Papier, Stifte, Kleber, Bücher etc. Nach dem Essen wurde noch Basketball gespielt und die restlichen Sandwiches an die Bevölkerung verteilt. Schnell hatte sich herumgesprochen, dass eine Hilfsgruppe da ist und u.a. Essen verteilt.

Bevor wir wieder zurückgefahren sind hat Claus Bauer die Neuigkeit verkündet, dass am 6. Januar 2014 mit dem Schulbau begonnen wird .Zum Schluss haben die Kinder noch zur Melodie von „Happy Birthday“ „Thank you very much“ gesungen.

Nach der Abfahrt kam der für mich schlimmste Teil des Ortes, denn wir sind nicht den gleichen Weg zurückgefahren, sondern weiter durch den Ort durch und dann wieder auf die Hauptstraße. Hier war noch nicht aufgeräumt worden und das war erschreckend. Es ist kaum zu beschreiben, aber da lag – außer auf der Straße alles kreuz und quer. Die Hütten zerstört, die Palmen umgeknickt, zwischen den Hütten überall riesige Palmblätter, Dächer, Wände, einfach undurchdringlich sah das aus. Und dazwischen hing wieder Wäsche. Aus den „ Ruinen“ schauten Menschen heraus, lachten als sie uns wegfahren sahen und winkten glücklich und dankbar. Im Bus war es ruhig, zum einen waren alle erschöpft von der Fahrt, der unerträglichen Hitze und letztendlich auch von den Eindrücken.

Eine Schweizerin sammelt inzwischen Geld, um einen Teil der Hütten wieder aufbauen zu können. Dazu werden gerade detailliert Kostenaufstellungen gemacht, denn Geld zum Aufbau an die Betroffenen übergeben ist leider nicht möglich, das würde anders verwendet werden.

Nicht zu vergessen ist an dieser Stelle, dass diese Hilfsaktion nur einen Ort betrifft. Es bleibt zu hoffen dass Engagements wie dieses möglichst vielen Dörfern und Städten zu Teil werden wird. So wie es aussieht, ist genug Geld für den Aufbau der Schule zusammengekommen. Sofern Geld übrigbleibt soll ein Spielplatz gebaut werden. Dafür sind laut Claus Bauer 1.000 USD ausreichend. Bei weiterem Überschuss kann einem weiteren Dorf geholfen werden.

Der Weg zurück in ein normales Leben wird auf vielen der 7.000 Inseln lange dauern. Allein die Stromversorgung ist in vielen Landesteilen nicht gewährleistet, der Taifun hat die Überlandleitungen aus Beton und Holz umgeknickt wie Streichhölzer. Für manche Gebiete bedeutet das keinen Strom in den kommenden 2 Jahren – auch wenn man das punktuell mit Generatoren überbrücken wird. Davon ist auch San Isodro betroffen. Strom gibt es bisher noch nicht.

Der Gesamtschaden durch Yolanda wird derzeit mit über 500 Mio € kalkuliert.

Es bleibt zu hoffen, dass der Aufbau nicht durch weitere Naturkatastrophen wieder zerstört wird.

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